Landesbezirksfachbereichsvorstand

Landesfachbereichskonferenz PSL Ba-Wü

Organisationswahlen 2018/2019

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Zukunftsgerecht

Der ver.di Landesfachbereich Postdienste, Spedition & Logistik Baden-Württemberg hat neu gewählt und stellt die Weichen für zukünftige Herausforderungen.

„Ich habe fertig“, steht auf der letzten Folie der Power-Point-Präsentation von Thomas Sorg, dem am 22. November 2018 noch amtierenden Vorsitzenden des Landesfachbereichs 10, Postdienste, Spedition und Logistik Baden-Württemberg. Auf der 5. ordentlichen Landesfachbereichskonferenz im Rahmen der OrgaWahlen 2018/19 schließt er damit seinen mündlichen Vortrag zum Geschäftsbericht, bevor die Delegierten den gesamten Vorstand entlasten. Nun sei es „Zeit für einen Generationenwechsel“, der auf hauptamtlicher Ebene bereits begonnen habe. Auf der Konferenz am 22. und 23. November im Reutlinger Hotel Fortuna wurde der Generationenwechsel nun auch auf ehrenamtlicher Ebene fortgesetzt. Thomas Sorg, ehemals BR-Vorsitzender bei Kühne + Nagel, inzwischen bei den Senioren, findet es richtig, wenn ein junger, fest und aktiv im Betrieb verankerter Kollege den Vorsitz des Landesfachbereichs in Zukunft übernimmt.

In den letzten vier Jahren, dem Zeitraum des Geschäftsberichts, ging es oft um Themen wie die Digitalisierung und den Wandel der Beschäftigungsverhältnisse in der Zustellung und Logistik. Andrea Kocsis, stellvertretende Bundesvorsitzende und Bundesfachbereichsleiterin, ist auf der Konferenz dabei und kritisiert die skandalösen Bedingungen bei Subunternehmern der Paketzustellunternehmen: „Arbeitszeiten von über 12 Stunden bei einer 6-Tage Woche sind keine Seltenheit.“ Die Politik müsse handeln und die Regelungen zur Nachunternehmerhaftung analog der Fleischwirtschaft auch im Bereich der Paketbranche einführen. „Es darf nicht sein, dass Kolleginnen und Kollegen nicht einmal den Mindestlohn verdienen und in ihren Zustellfahrzeugen übernachten müssen“, ergänzt sie. Anwesend sind in Reutlingen auch internationale Gäste von Gewerkschaften aus Polen (Solidarność), Ungarn und Frankreich (Force Ouvrière und CGT). In ihren Grußbotschaften betonen sie, dass die prekären Verhältnisse in der Zustellbranche ein EU-weites Problem seien, weshalb es unerlässlich sei, international zu agieren, um sich gewerkschaftlich vernetzt gegen die unmenschlichen Gesetze einzusetzen.

Martin Gross, Landesvorsitzender von ver.di Baden-Württemberg, und Benjamin Stein, Geschäftsführer von ver.di Fils-Neckar-Alb, sind auch vor Ort. Beiden ist im Hinblick auf die Migration und Zuwanderung von Geflüchteten besonders wichtig, sich als ver.di deutlich zu positionieren: Weder Rassismus noch Fremdenhass werde bei uns hingenommen. Martin Gross benennt die wirklichen Probleme in der Bundesrepublik: Nicht die Flüchtlinge seien das Problem, sondern Wohnungsnot, Armut, Pflege und prekäre Arbeit. Dem Beitrag des Landesvorsitzenden folgt eine besondere Ehrung: Günter Neidlein, seit kurzem in Rente, war über Jahrzehnte hinweg BR-Vorsitzender bei der Brief NL Stuttgart und gewerkschaftlicher Multifunktionär. Er wurde mit der Hans-Böckler-Medaille ausgezeichnet: „Günter hat in 50 Jahren Gewerkschaftsmitgliedschaft nicht nur für die Interessen der Kolleginnen und Kollegen bei der Deutschen Post AG gekämpft, sondern sich auch über das Betriebstor hinaus auf der politischen Bühne für ver.di eingemischt.“

Für eine Keynote zum Thema Digitalisierung war Ibrahim Evsan eingeladen. Evsan ist Unternehmer und arbeitet als Wirtschaftsberater zur multimedialen Weiterentwicklung von Geschäftsstrukturen. Die Delegierten und Gäste im Reutlinger Saal sind nach dem Vortrag nachdenklich gestimmt. Denn Evsan macht deutlich, mit welcher Geschwindigkeit die Digitalisierung voranschreitet und appelliert: Wer nicht mit der Zeit geht, bleibt irgendwann auf der Strecke.

Wie wir uns zu den bestehenden und kommenden digitalen Veränderungen positionieren, damit hat sich der Landesfachbereich intensiv auseinandergesetzt. Landesfachbereichsleiter Arnold Püschel führt den mündlichen Vortrag zum Geschäftsbericht des Landesfachbereichsvorstands weiter und berichtet von der großen Konferenz „Zustellung der Zukunft“ im Juni 2018 in Stuttgart. Dort haben ver.di-Betriebsräte mit Führungskräften der Deutschen Post diskutiert und Forderungen gestellt, denn die Briefzustellung und die Arbeitsstandards müssten mit aller Kraft gesichert werden. Dafür müssten sich die KollegInnen gewerkschaftlich gut aufstellen. Ein neues Konzept zur VL-Arbeit soll hier unterstützen. Es habe in den vergangenen Tarifrunden im Fachbereich richtig gute Ergebnisse gegeben - jetzt gehe es darum, diese Erfolge auch in der Mitgliederentwicklung sichtbar werden zu lassen.

Der neu gewählte Landesfachbereichsvorsitzende sieht sich und sein Gremium für die Themen der Zukunft gut aufgestellt und freut sich, die Weichen für die kommenden Hausforderungen gemeinsam mit dem neuen Vorstand zu stellen. Gewählt wurde Yusuf Özdemir, stv.GBR-Vorsitzender. Unterstützt wird er von 23 weiteren Vorstandsmitgliedern aus der Fachgruppe 1 und 2 und aus der Ebene sowie insbesondere von einer starken Frau: Andrea Becker von der NL Brief Freiburg. Sie wurde als seine Stellvertreterin gewählt.